Die Quelle der künstlerischen Linie liegt in Christian Wilhelm von Faber du Faur, einem Menschen mit mannigfachen Talenten. Er hatte Jura studiert, arbeitete als Staatsadvokat, trat dann aber freiwillig in die Armee ein, wo er bis in die höchsten Offiziersränge aufstieg. Doch darüberhinaus muss sein künstlerisches Talent aufgefallen sein, so dass er 1807 von dem Verleger Johann Friedrich Cotta um einige Illustrationen gebeten wurde. Cotta legte seinem „Morgenblatt“ lithographierte Kunstwerke bei. Christian Wilhelm steuerte ein Bild mit dem Titel „Schwarzes Blatt“ bei, welches seinerzeit als berühmt galt. Im selben Jahr zeichnete Christian Wilhelm die Blätter des Cottaschen „Karten-Almanachs“. Fünf Jahre später machte er als Artillerist den Russlandfeldzug Napoleons mit, und hielt seine Eindrücke bildnerisch fest. In 99 Blättern zeigt er den Angriff und den katastrophalen Rückzug präzise und detailliert. Seine Bilder sind einzigartig, im Wortsinn – es sind die einzigen Darstellungen eines Augenzeugen, der den Feldzug von Anfang bis Ende miterlebt hat.

Szene vom Rückzug der Großen Armee, am 3. Dezember 1812. „Die Kälte nahm entsetzlich zu und die Armee war nahezu vollständig in Auflösung. Kranken und Sterbenden wurde sofort die Kleidung entrissen, und sie wurden langsam unter dem fallenden Schnee begraben.“

Von seinen sechs Kindern besaß nur das jüngste eine künstlerische Ader. Sein Sohn Otto schlug zunächst wie der Vater eine militärische Laufbahn ein, empfand sich aber zunehmend als Maler. Während sein Vater das Zeichnen lebenslang nur als private Leidenschaft sah, wurde es für Otto zur eigentliche Berufung. Er ließ sich in München und Paris bei den Meistern seiner Zeit ausbilden, unternahm intensive Studienreisen, und nahm schließlich mit 39 Jahren seinen Abschied aus der Armee, um sich ganz der Malerei zu widmen. Sein Werk umfasst zahlreiche großformatige Militärgemälde, viele davon im Auftrag des Staates Württemberg, aber auch Gemälde orientalischer Reiter, ebenso lebens- wie farbenfroh.

Otto von Faber du Faur: „Arabische Reiter“

Hans von Faber du Faur: „Das Pferderennen“, 1915.

Die nächste Generation wirkt wie eine Neuinszenierung der vorigen: Auch Otto hatte sechs Kinder, von denen ebenfalls nur eines künstlerisch veranlagt war: Hans von Faber du Faur. Er wurde bei Lenbach unterrichtet, aber im Unterschied zu Vater und Lehrer malte er im Kleinformat, bevorzugte Tusche statt Ölfarbe. Und: Das militärische Motiv verschwand. Seine Bilder sind leichte Darstellungen von Pferderennen oder eleganten Damen im Sattel.

Von seinen drei Töchtern beschritten zwei einen künstlerischen Weg, wenn auch mit relativ reduziertem Schaffen: Armgard von Faber du Faur wurde Malerin wie der Vater. Ihre Zwillingsschwester Irmgard schrieb Kinderbücher. Möglicherweise inspiriert dazu wurde sie von ihrem Cousin Kurt. Der ebenfalls in München lebende Germanist betrieb ein bekanntes Antiquariat und schrieb auch selbst einige Werke.

Der Vollständigkeit halber soll unter den Künstlern noch die dritte Tochter des Malers Hans erwähnt werden, wennauch sie als Schauspielerin eher fremde Werke in Szene setzte: Maria von Faber du Faur. Sie veröffentlichte eine kleine Geschichte unter dem Titel „Die Gret“.

Armgard von Faber du Faur: „Bunter Blumenstrauß“